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Besondere Zeiten. Tagebuch, Seite 23

„Lichtblick. 09.00 Uhr. Schule Burgoberbach.“ So lautet der erste Eintrag in meinem Google-Kalender für morgen, Sonntag, den 5.4.2020. Und  „Lichtblick 10.30 Uhr mit Wichtellichtblick und Kinderlichtblick und Taufe von Nele Göppel “ steht als weiterer Termin drin. Nachmittags dann noch „14.00 Uhr Taufe Fabian Kreisel. Sommersdorf.“ Viele von euch sind sicher in Gedanken bei einer dieser Veranstaltungen. Die Tauffamilien, die sich so auf ihr Familienfest gefreut haben. Wir alle aus der Lichtblicksgemeinde, die wir gern zusammen wären. Wieder muss es anders gehen. Nein, ich will es anders formulieren: Wieder kann es, zum Glück, an diesem Wochenende auch anders gehen. Zum dritten Mal in Folge jetzt, an diesem Sonntag, der etwas andere Tagebucheintrag. Der euch entweder heute in eine Andacht zum Abend oder morgen nach dem Frühstück in einen kleinen Sonntagsgottesdienst einlädt. Wir sind in Gedanken miteinander verbunden und sind es auch im Namen Gottes, der uns begegnet als Vater, als Sohn und als Heiliger Geist. Amen.

Lied: Du gibst mir ‚Rückenwind‘

Gebet: Herr, hinter uns liegt eine weitere Woche des Ausnahmezustandes. Manche von uns waren tagelang sehr einsam. Andere mussten 10 Stunden täglich arbeiten und sind völlig erschöpft. Manche unter uns sind hoffnungsvoll, andere deprimiert. Manche sind ganz gut im Lot, andere kämpfen sich durch jeden einzelnen Tag. Herr, nimm du uns jetzt unter deine Fittiche. Mach es möglich, dass wir abschalten vom Alltäglichen. Mach es möglich, dass wir dir jetzt begegnen. Amen.

Instrumentaleinspielung  (Gitarre): Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt

Liebe Tagebuchgemeinschaft, liebe Leserinnen und Leser,
es muss die reine Provokation gewesen sein: Jesus ist mit seinen Freunden (- und möglicherweise auch Freundinnen, die in der Tradition der von Männern bestimmten Überlieferung dann leider ‚verloren gegangen sind‘ – ) beim Essen zusammen. Sie treffen sich im Haus eines gewissen Simon in Bethanien. Das kleine Dorf liegt an der Ostseite des Ölbergs, an dessen Westhang erstreckt sich Jerusalem. Plötzlich betritt eine Frau den Raum. Wie sie heißt, ist leider nicht überliefert – obwohl Jesus von ihr später noch sagt, dass man sich an sie später immer erinnern wird, wenn man von ihm erzählt. Sie muss deshalb hier die ‚Unbekannte‘ bleiben.
Die Unbekannte hat ein fein gearbeitetes Gefäß in ihren Händen, eine Art Flacon. Sie sieht sich im Raum um und tritt neben Jesus hin. Wortlos bricht sie den Hals des Flacons ab. Dann hält sie das Gefäß über den Kopf von Jesus und lässt langsam kostbarstes Heilöl aus dem Himalaya über seine Stirn und seine Haare rinnen. Der Raum füllt sich mit dem Duft. Es ist für einige Augenblicke vollkommen still. Die Freunde von Jesus, die jahrelang mit ihm wie Schüler, wie Lehrlinge unterwegs waren, starren verständnislos auf die Szene. „Was tut sie da?“ „Ist sie noch bei Trost?“ „Was sie Jesus da über den Kopf gießt, ist doch ein Vermögen wert!!!“ „Das ist ein Jahresgehalt, das da zum Teufel geht!!!“ So oder ähnlich fliegt es der Unbekannten gleich darauf um die Ohren. „Was hätte man damit alles Gutes, Sinnvolles tun können! Wahnsinn – diese Verschwendung!!!“  Die Männerrunde ist außer sich. Jesus sagt ruhig: „Lasst sie in Ruhe. Sie hat mir doch etwas Gutes getan. Sie hat getan, was in ihrer Macht stand …“
Die Unbekannte spürt etwas, was den Männern um Jesus verborgen geblieben ist. Was sie nicht kapiert haben. Sie warten darauf, dass Jesus endlich, endlich ‚auf den Putz haut‘. Dass er deutlich macht, wer der HERR im Land oder noch besser weltweit ist. Sie setzen auf Jesus als ihren Führer und politischen Retter. Sie wollen Umsturz und Revolution.
Die Unbekannte ‚salbt‘ Jesus. Das hat man im Altertum zu verschiedenen Anlässen gemacht: zum Beispiel dann, wenn jemand zum König ernannt worden ist. Dann hat man ihm Öl über die Stirn gegossen und ihn damit in sein Amt ‚eingeführt‘. Das Übergießen mit Öl hat bedeutet: „Dieser Mensch hat eine ganz besondere Aufgabe, er bekommt deshalb auch eine herausragende Stellung.“ Man hat aber auch am Ende eines Lebens den Körper eines Toten mit duftendem Öl eingerieben. Um ihm einen letzten Liebesdienst zu erweisen. In einer Eingebung, aus einer tiefen inneren Bindung zu Jesus tut die Frau das, was ihr ihr Herz eingibt: Sie kauft für ein Vermögen Nardenöl und salbt Jesus wortlos. Das sagt mehr als tausend Worte, ist eine stumme Liebeserklärung. „Du, Jesus, überragst sie alle. Ich liebe dich von ganzem Herzen. Was immer da kommt – das ist gesagt und das bleibt.“

Nachlesen könnt ihr diese Begebenheit, die als Predigttext für diesen Sonntag vorgesehen ist, zum Beispiel im Markusevangelium, Kapitel 14, in den Versen 3 – 9. Es berührt mich sehr, wie intuitiv die Frau erspürt, wie es um Jesus steht. Statt großer Worte eine Geste großer Zärtlichkeit. Ohne sich darum zu kümmern, was die anderen denken oder sagen. Sie, die Unbekannte, lässt uns alle ahnen: „Was da kommt, ist so ganz anders als das, was wir uns mit unseren Männer-Hirnen oder Menschen-Hirnen so ausdenken.“ Wie wahr. Woran wir in den kommenden Tagen denken, wenn trotz einer Corona-Pandemie Platz in Kopf und Herz für anderes bleibt, sprengt letztlich unser Vorstellungsvermögen. Wir werden es nicht deuten können. Wir werden es nicht verstehen können. Auch dieses Jahr nicht. Dass einer, der Vollmacht hätte, dem nichts unmöglich wäre, sich an einem Holzgestell hinrichten lässt, geht nicht in unseren Kopf. Ebenso wenig dies, dass dieser Tote dann nach drei Tagen auferweckt wird. Dass er nicht im Reich des Todes bleibt, sondern den Tod besiegt. Und uns allen, die wir eines Tages auf das Ende unseres Lebens zugehen, eine neue Perspektive aufmacht. Eine Hoffnung gibt. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.
Von all dem weiß die Unbekannte noch  nichts. Aber sie hat in sich eine Zuneigung zu Jesus, die ‚irrational‘ ist. Damit trägt sie einen Abglanz dessen in sich, was in Jesus spürbar und fassbar geworden ist: eine Liebe, die die Grenzen der menschlichen Vorstellung sprengt. Die irrational ist. Und doch uns gilt. Der Jude Schalom Ben-Chorin hat dieser Hoffnung auf Leben im Jahr 1942, also mitten im Zweiten Weltkrieg, im finstersten Wüten des Nationalsozialismus, einen starken Ausdruck gegeben mit dem Lied:

Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt,
ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt.
Dass das Leben nicht verging, soviel Blut auch schreit,
achtet dieses nicht gering in der trübsten Zeit.

Tausende zerstampft der Krieg, eine Welt vergeht,
doch des Lebens Blütensieg leicht im Winde weht.

Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten wiegt,
ist das nicht ein Fingerzeig, dass das Leben siegt.

Lied, gemeinsam gesungen: Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt

Stilles Gebet und ein Vaterunser

Lassen wir uns den Segen zusprechen, der unabhängig von festen Orten oder Zeiten wirkt:

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr wende uns sein Angesicht zu und gebe uns das, was wir uns selbst nicht geben können – seinen himmlischen Frieden. Amen.

 

Zum Abschluss das Lied, das wir schon am letzten Wochenende gemeinsam gesungen haben. Es ist ein hoffnungsvolles Gebet:

Du bist die Zukunft, zu dir will ich hin….

Bleib bewahrt und bleibt hoffnungsvoll. Und wenn ihr heute spazieren geht und seht feine Blüten an Ästen treiben, nehmt es als Zeichen der Hoffnung.

Eure Elfriede Bezold-Löhr :-), Pfarrerin der Kirchengemeinden Sommersdorf mit Burgoberbach und Thann.

 

 

 

 

PFARRAMT

Sekretariat
Karin Oberseider

KIRCHENGEMEINDE

Sommersdorf / Thann
Sommersdorf 5
91595 Burgoberbach
Tel.: +49 9805 648
Fax: +49 9805 932 202
Mail: pfarramt@sommersdorf-thann.de
Spendenkonto: DE 71 7655 0000 0008 8247 57

ÖFFNUNGSZEITEN

Dienstag:
10:00 Uhr – 13:00 Uhr
Mittwoch:
11:00 Uhr – 15:00 Uhr
Donnerstag:
11:00 Uhr – 16:00 Uhr

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