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Besondere Zeiten. Tagebuch, Seite 44

Für mich ist es immer sehr wichtig meinem Gegenüber ins Gesicht sehen zu können und ich glaube das Sprichwort „sein Gesicht verlieren“ kommt nicht von ungefähr. Oft verrät ein Gesichtsausdruck sehr viel mehr als das gesprochene Wort. Wenn man beispielsweise die Frage „Wie geht es dir?“ nimmt, dann ist das Gesicht oft viel aussagekräftiger als die Worte, die als Antwort folgen. Mal abgesehen davon, dass ich das Gefühl habe, dass dies eine der Fragen ist, auf die ganz oft nicht wirklich eine ehrliche Antwort erwartet aber auch nicht gegeben wird. Oft wirkt es auf mich schon eher als eine Floskel, statt als ehrlich gemeintes Interesse. Der Anthropologe Paul Ekman hat jahrelang an der Kommunikation ohne Worte geforscht und dabei herausgefunden, dass das Gesicht immer für einen kurzen Moment in sogenannten Microexpressions das wahre Gefühl eines Menschen erzählt und dass diese sogar kulturübergreifend gleich sind. Von daher glaube ich, dass das Gesicht für uns etwas ganz Wichtiges ist. Wie wichtig wird uns vielleicht gerade momentan noch mehr bewusst.

Deshalb wird für mich das Tragen von Mund- und Nasenschutzmasken ab Montag zugegeben eine gewisse Herausforderung. Ich blicke gerne in ehrliche und offene Gesichter und es schafft für mich ein Gefühl von Vertrauen, wenn ich es kann. Am Montag beginnt in der Hinsicht jedoch eine neue für uns ungewohnte Zeit. Daher bin ich heute Morgen ganz schlicht noch einmal einkaufen gegangen. Das klingt im ersten Moment vermutlich seltsam, aber ich wollte noch einmal völlig frei ohne Maske den Menschen begegnen. Gerade weil ich nicht weiß, wie lange die Mund- und Nasenschutzpflicht gilt, habe ich diese Begegnungen sehr genossen.

Wie wird es sein, wenn ich ein Lächeln nicht mehr als solches erkennen kann? Zumindest nicht auf Anhieb. Werde ich Situationen und Reaktionen vielleicht auch falsch einschätzen?

In einem Bioladen, in dem ich bislang noch nie war und mir die Personen völlig fremd waren, stand ich dann an der Kasse. Die Kassiererin trug bereits einen Mundschutz und ich habe versucht abzuschätzen, welchen Gesichtsausdruck sie gerade hat. Die Situation war eigentlich fast alltäglich. Durch die Abstandsregel von 1,50 ist es bei meiner Größe nicht ganz so leicht in der Linie zu bleiben und gleichzeitig mit der Hand am Kartenterminal meine PIN einzugeben. Ich habe mich dann etwas gestreckt und mich gleichzeitig dafür entschuldigt, aber es ging nicht anders. Dass die Kassiererin es nicht schlimm fand, dass ich den Abstand kurz nicht einhalten konnte, konnte ich durch die fehlende Mimik nicht erkennen. Erst als sie dann geantwortet hat, dass dies aufgrund ihrer Größe auch für sie manchmal nicht anders geht, wusste ich, dass die Situation für sie völlig ok war. Dabei habe ich auch ihr Lächeln ‚gehört‘.  Mir ist bewusst geworden, dass es ab Montag noch viel wichtiger wird zu reden und nicht darauf zu hoffen, der andere könne in meinem Gesicht lesen. Er kann es genauso wenig wie ich es in seinem kann.

Am Nachmittag war ich dann an einem Naturweiher, der wunderschön liegt. Ich saß dort für eine Weile und blickte still übers Wasser. Es war in gewisser Weise das Eintauchen in eine völlig andere Welt, in der manches für eine gewisse Zeit schweigen darf. Die Sonne funkelte in kleinen Lichtern, die auf dem Wasser zu tanzen schienen, der leichte modrige Geruch des Wassers spiegelte seine Natürlichkeit wider, ein einsamer Schwan schwamm immer wieder hin und her und ab und an sah ich einen Fisch im Wasser springen. Über mir strahlte das Sonnenlicht durch das frische Grün der Laubbäume…

Für diesen einen Moment war es ein Stück heile Welt. Auch wenn vieles aktuell schwierig, herausfordernd und manchmal auch sehr belastend ist, so sind es doch diese klitzekleinen Momente, die zumindest für einen Augenblick eine grenzenlose Hoffnung widerspiegeln.

Diese Minuten erinnerten mich an das Zitat des Theologen Peter Kuzmic:

Hoffnung ist die Fähigkeit die Musik der Zukunft zu hören. Glaube ist der Mut in der Gegenwart danach zu tanzen.

Ich wünsche dir, Ihnen und uns allen die Augenblicke, die der aktuellen Wirklichkeit trotzen und die uns die Musik der Zukunft hören lassen. Und dort wo sie hörbar ist, wäre es schön, wenn wir den Mut hätten, danach zu tanzen.

Den Abend habe ich dann beim Lesen des Buchs „Ich mache das Jetzt!“ verbracht. Es handelt von einer Fotografin, die ihren Kindheitstraum, aktive Vulkane zu bereisen und zu fotografieren, nie aus den Augen verloren hat – trotz vieler Rückschläge und Niederlagen. Aber es gelang ihr die Musik der Zukunft zu hören und sich dabei nicht zu entmutigen lassen.

 

Liebe Grüße

Michaela Meyer

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